Hast du schon mal in einer Werbeagentur gearbeitet?
Wahrscheinlich nicht.
(Du Glücklicher!)
Ich hingegen schon.
Und ich weiß ein, zwei Dinge darüber, die das Phänomen der „unfassbar trashigen Facebook-Ads" vielleicht erklärbar machen.
Viel Spaß.
Grund #1 – Der wahre Mythos vom „Reptilienhirn"
Hast du auch schon mal von diesen Online-Marketing-Gurus gehört, die dir irgendwas von einem „Reptilienhirn" im Menschen erzählen?
Ich sage nicht, dass sie damit Unrecht haben.
Die sogenannte „Amygdala" ist für die Steuerung unserer Basisemotionen zuständig; ihr übergeordnet ist das „Großhirn", in dem Urteilsbildung und Logik stattfinden.
Welches Problem ich aber damit habe, vom Reptilienhirn im Menschen zu sprechen:
Du wertest deine Leser automatisch ab.
Du stellst sie auf eine Stufe mit Tieren, die du mit irgendwelchen Zauberworten dazu bringen kannst, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen.
Denk immer daran:
Du sprichst mit und über Menschen.
Und nicht mit Reptilienhirnen.
Wenn du die Probleme deiner Zielgruppe verstehst, wirst du automatisch auch das „Reptilienhirn" deiner Leser ansprechen – das darf aber niemals dein Ziel sein.
Grund #2 – Die unsägliche „Trash-Offer"-Überkompensation
Dieses Phänomen begegnet mir eigentlich am häufigsten, wenn ich auf Facebook durch meine Timeline scrolle.
Menschen mit Trash-Offern (sorry, not sorry) neigen dazu, in ihrer Werbekommunikation maßlos zu übertreiben.
Der Grund:
Sie merken, dass ihre Werbeanzeigen nicht funktionieren.
In ihrer Hilflosigkeit benutzen sie dann immer krassere Wörter, bis ihre Werbeversprechen vollkommen unglaubwürdig sind.
Die Lösung lautet hier:
Wirklich tiefgehende Interviews mit deiner Zielgruppe führen, verstehen, was sie beschäftigt – und deine Werbekommunikation dann auf Nadelkopfgröße runterpinnen. Ein guter Copywriter weiß, wie das funktioniert und hilft dir, deine Kommunikation effektiv zu gestalten.
Grund #3 – Es ist halt Facebook
Der Grat zwischen Trash und Gold ist manchmal ziemlich schmal.
Du darfst nie vergessen, womit du auf Facebook konkurrierst.
Du konkurrierst überhaupt nicht mit deinen Wettbewerbern.
Du konkurrierst mit dem neuesten Unfallvideo.
Dem absoluten LIEBLINGSCONTENT deiner Zielgruppe.
Mit halbnackten Körpern, die sich in irgendwelchen Yoga-Posen vor den Augen der Usern räkeln.
Niemand geht auf Facebook, um Werbung zu sehen.
Deswegen ist es grundsätzlich schon in Ordnung, dick aufzutragen.
Hier braucht es aber Feingefühl.
Weil genau an dieser schmalen Grenze zwischen Trash und Gold, zwischen dem Erwartbaren und dem Unerwarteten, wird das ganz große Geld auf diesen Plattformen verdient.